Im Jahr 1257 wird die Stadt Köln zum Schauplatz eines dramatischen Konflikts zwischen ihrem mächtigen Erzbischof Konrad von Hochstaden und der einflussreichen Kölner Familie Kleingedank. Was als kalkulierter Racheakt beginnt, entwickelt sich bald zu einem stadtweiten Konflikt, der das fragile Machtgleichgewicht zwischen dem Stadtfürsten, dem Erzbischof und den Bürgern Kölns auf die Probe stellt.
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Konrad von Hochstaden

Figur von Konrad von Hochstaden an seinem Grab im Kölner Dom
Konrad von Hochstaden (1205–1261) war nicht nur Erzbischof von Köln, sondern auch weltlicher Herrscher der Stadt und verfügte über bedeutende politische und richterliche Befugnisse. Als Herrscher der Stadt kontrollierte er die Verwaltung Kölns, beaufsichtigte die Justiz und hatte die Befugnis, Steuern zu erheben und Streitigkeiten beizulegen. Seine Herrschaft war geprägt von ständigen Kämpfen um die Aufrechterhaltung der Vorherrschaft über eine zunehmend selbstbewusste Bürgerschaft, die nach größerer Autonomie strebte.
Konrads Rolle als weltlicher Herrscher brachte ihn in direkten Konflikt mit den patrizischen Familien Kölns und der aufstrebenden Macht des Stadtrats. Die Ereignisse, die zum Großen Schied von 1258 führten, unterstreichen seine Entschlossenheit, seine Autorität durchzusetzen und gleichzeitig das komplexe Zusammenspiel von Landes- und Stadtpolitik zu meistern.
Wo der Konflikt beginnt: Platz vor dem Kölner Dom

Neben dem Chor, unten links, ist das Wort „hoff“ zu sehen. Dies ist der Domhof, wo der Erzbischof normalerweise als Richter unter freiem Himmel Gericht hielt.
Der Konflikt in Köln im Jahr 1257 begann mit einer persönlichen Fehde zwischen der einflussreichen Familie Kleingedank und einem Verwandten von Erzbischof Konrad von Hochstaden. Hermann Kleingedank wurde während einer Schuldeneintreibung in der Nähe der Mosel von einem Mitglied der Großfamilie Konrads gefangen genommen. Als Vergeltungsmaßnahme griffen die Kleingedanks während einer Gerichtsverhandlung auf dem Domhof Heinrich von der Neuerburg, einen Verwandten Konrads, öffentlich an.
Dieser Racheakt wurde von Konrad als direkte Beleidigung seiner Autorität als Stadtfürst angesehen. Die Situation eskalierte schnell, als sich die reichen Bürger Kölns auf die Seite der Kleingedanks stellten und Konrad zwangen, aus der Stadt zu fliehen.
Der Domhof heutzutage. Seit 1971 heißt er Roncalliplatz, benannt nach dem bürgerlichen Namen von Papst Johannes XXIII. Die Kölner nennen den Platz im Alltag wie auch den Rest der Fläche um den Dom einfach nur Domplatte.

Keine Sorge, als ich die Fotos gemacht habe, war der ganze Platz eine Baustelle. 😀 Köln eben…

Der Große Schied von 1258
Der „Große Schied” von 1258, war ein entscheidender Moment in der mittelalterlichen Geschichte Kölns, da sie einen erbitterten Konflikt zwischen Erzbischof Konrad von Hochstaden und der mächtigen Bürgerschaft der Stadt vorerst beendete.
Der Schiedsspruch unter der Leitung des Gelehrten Albertus Magnus und anderer prominenter Persönlichkeiten schuf einen Ausgleich zwischen den Rechten des Erzbischofs als Herrscher Kölns und den Forderungen der Bürger nach Autonomie. Während Konrad seine symbolische Autorität behielt, wurden die Institutionen der Stadt – wie der Rat und die Justizorgane – als wesentlich für die Selbstverwaltung anerkannt. Die Schlichtung war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Status Kölns als freie Stadt, ließ jedoch juristische Lücken offen, die künftige Spannungen aufrechterhielten.


(c) Großer Schied, 28.6.1258, 1258, Historisches Archiv der Stadt Köln, Köln.
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