#92 Der Aufstieg der Overstolzen und der Fall der Weisen

Eine blutige Nacht an der Ulrepforte verändert Köln für immer. Während die einst mächtigen Weisen von der Mühlengasse aus der Stadt getrieben werden, übernehmen die Overstolzen das Ruder und bauen den Stadtrat zur neuen Machtzentrale aus. Doch der Frieden hängt an einem seidenen Faden: Erzbischof Engelbert schmachtet seit drei Jahren im Kerker von Burg Nideggen. Nur ein Mann besitzt noch die Autorität, zwischen den Fronten zu vermitteln: der Gelehrte Albertus Magnus.


Albertus Magnus

Im Jahr 1271 ist Albertus Magnus mittlerweile in seinen 70ern. Kann er einen Friedensvertrag zwischen der Stadt Köln und dem Erzbischof aushandeln? Als Mitglied des noch jungen Dominikanerordens schaffte er es sogar bis zum Bischof von Regensburg. Ein Amt, das er nach kurzer Zeit wieder niederlegte, weil er durch und durch Gelehrter war. Als Lehrer von Thomas von Aquin ist er eine der intellektuellsten Persönlichkeiten des Mittelalters.

Engelbert von Falkenburg

Im Jahr 1271 war Engelbert von Falkenburg Erzbischof von Köln – in einer Zeit politischer Unsicherheit im Heiligen Römischen Reich. Obwohl er als Reichsfürst erfolgreich war, hatte er mit der Verwaltung seiner de-facto-Hauptstadt Köln nicht wirklich leichtes Spiel. Nach vielen Jahren voller Kriege und Kämpfe war Engelbert im Jahr 1271 bereits seit drei Jahren Gefangener des Grafen von Jülich, einem Verbündeten der reichen Kölner Bürger.

Denkmal zur Schlacht bei der Ulrepforte aus der Zeit um 1360

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=540663

Fast ein Jahrhundert nach der blutigen Nacht von 1268 sorgten die herrschenden Familien Kölns dafür, dass die Erinnerung an ihren Sieg nicht verblasste. Um 1360 ließen sie ein Steinrelief an der Stadtmauer nahe der Ulrepforte anfertigen – heute gilt es als Deutschlands ältestes Denkmal, das an ein historisches Ereignis erinnert.

Das Relief stand einst genau dort, wo die Schlacht tobte, und war wie eine mittelalterliche Skulptur farbenprächtig bemalt. In seiner oberen Hälfte thront Christus inmitten von Sternen, flankiert von Engeln, die Kölns Wappen halten, während Heilige über ihm schweben – eine Vision der „heiligen Stadt“.

Darunter entfaltet sich jedoch ein sehr irdischer Kampf: berittene Krieger der siegreichen Overstolzen stürmen auf ihre Feinde zu. Die Erzengel Michael und Gabriel leisten göttliche Unterstützung, während die Gefallenen – darunter Dietrichvon Falkenburg, der Bruder des Erzbischofs – von einem krallenbewehrten Teufel in die Hölle geschleift werden, der auch das Banner des Erzbischofs herunterreißt.

Ursprünglich in der Stadtmauer angebracht, befindet sich das Relief heute zur Konservierung im Kölner Stadtmuseum. Eine originalgetreue Kopie markiert noch immer die Stelle am Sachsenring – eine stille Erinnerung an eine Nacht, in der Glaube, Stolz und Politik im mittelalterlichen Köln aufeinanderprallten.

Link zur gemalten Version: Link


Das Grab von Albertus Magnus in St. Andreas


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