#88 Der Palaststurm: Als 37 Kölner den Erzbischof im Jahr 1263 kidnappten

In dieser Folge tauchen wir tief in das mittelalterliche Köln des Jahres 1263 ein. Erlebe die dramatischen Ereignisse rund um den 27. November 1263, als eine Gruppe entschlossener Bürger das Unmögliche wagte: Die Gefangennahme ihres eigenen Stadtherrn, Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg



Player lädt nicht in der E-Mail? Dann klicke hier


Engelbert II. von Falkenburg

Von Hans Weingartz – Selbst fotografiert, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3975173

Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg war im 13. Jahrhundert der Stadtherr von Köln und zugleich ein mächtiger Reichsfürst. Als hoher Kleriker war er zwar ein Mann der Kirche, trat jedoch vor allem als ein durch und durch weltlicher Herrscher auf, der auch militärisch bedeutend war.

Seine Motive waren fast ausschließlich darauf ausgerichtet, die absolute Stadtherrschaft über Köln zurückzugewinnen und die Stadt wieder vollständig unter seine Kontrolle zu bringen.


Albertus Magnus

Albertus Magnus war ein hochangesehener Gelehrter und Lehrer – unter anderem von Thomas von Aquin – sowie eine zentrale Vermittlungsfigur im mittelalterlichen Köln. In dem erbitterten Machtkampf zwischen Erzbischof Engelbert II. und der Bürgerschaft trat er als neutraler Vermittler auf.

Seine Motive waren vor allem auf den Erhalt des Friedens und die Beilegung der gewaltsamen Konflikte in der Stadt ausgerichtet


Grafschaft Jülich

Von Alphathon – Extracted from File:Mitteleuropa zur Zeit der Staufer.svg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85321148

Die Grafschaft Jülich, unter der Führung von Graf Wilhelm, war ein mächtiges Territorium unmittelbar westlich von Köln,. Im Jahr 1263 spielte sie eine entscheidende Rolle als militärischer und politischer Bündnispartner der Kölner Bürgerschaft in deren Konflikt mit Erzbischof Engelbert II.

Die Motive der Grafschaft Jülich für dieses ungewöhnliche Bündnis waren vielschichtig:

  • Machtpolitik: Wie viele andere niederrheinische Adlige war auch der Graf von Jülich verärgert über die dominante Machtstellung des Kölner Erzbistums in der Region. Das Bündnis bot die Chance, den Einfluss des Erzbischofs zurückzudrängen.
  • Finanzielle Interessen: Die Kölner Bürgerschaft verfügte über die nötigen Mittel, um sich loyale Verbündete zu kaufen. Jülich erhielt für das Bündnis eine jährliche Zahlung von 100 Mark Silber.
  • Rechtliche Innovation (Außenbürger): Um das kaiserliche Verbot für Städte zu umgehen, Bündnisse mit auswärtigen Herrschern zu schließen, ließen sich der Graf und seine Erben kurzerhand zu Kölner Bürgern (sogenannten „Außenbürgern“) ernennen,. Damit war ihre Unterstützung für die Stadt kein illegaler Pakt, sondern die Pflicht eines Bürgers zur Verteidigung seiner Stadt.
  • Gegenseitiger Schutz: Der Vertrag sicherte beiden Seiten rechtlichen Beistand und Zuflucht in den jeweiligen Territorien zu,.

Für Jülich war dies eine „Win-Win-Situation“: Man wurde für den Kampf gegen einen unliebsamen Rivalen bezahlt und sicherte sich gleichzeitig den dauerhaften Zugriff auf Kölner Gelder.


Kommentar verfassen