In dieser Folge sprechen wir mit Helmut Frangenberg, Autor von „Köln in Trümmern – True Crime 1944 bis 1949“ und Podcast-Host vom „True Crime Köln“ Podcast des Kölner Stadt-Anzeiger, über die Geschichte des ehemaligen Kölner Gauleiters Josef Grohé. Grohé, Hitlers rechte Hand in Köln und weit darüber hinaus NS, entging nach dem Krieg einer Bestrafung – ihm wurde die bisherige Untersuchungshaft beim äußerst milden Urteilsspruch angerechnet, und eine ernsthafte strafrechtliche Verfolgung blieb aus. In seiner Jugend wuchs Helmut Frangenberg im selben Viertel wie Grohé auf, der nach dem Krieg als scheinbar unauffälliger Nachbar zurückblieb.
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„www.grevenarchivdigital.de | Sammlung Stephan Neuhoff“
Josef Grohé (Mitte) während des Antretens einer Hitlerjugend-Feuerwehr. Genaue Datierung leider unklar, zwischen 1933-1945.
„Köln in Trümmern – True Crime 1944 bis 1949“

Das neue Buch von Helmut Frangenberg:
Verlagstext: „Spannende Zeitreise mit authentischen Einblicken in die chaotischen letzten Kriegswochen
und die Nachkriegszeit
Von einem echten Köln- und True-Crime-Experten – Begleitet vom Podcast True Crime Köln und dem Kölner Stadt-Anzeiger
Köln in Trümmern. Ungesühnte Schuld. Üble Denunziationen. Überführte Schwerverbrecher, die auf ihre Bestrafung warten, als die amerikanischen Panzer in die Stadt einrollen. Eine schlecht ausgestattete Polizei versucht, Verbrechen aufzuklären. Doch welches Gesetz gilt in einem Land, in dem die staatliche Ordnung zusammengebrochen ist? Manche Last wird mitgenommen in die neue Bundesrepublik.
Eine »Stunde null« gab es nicht: Dieses Buch berichtet von wahren Kriminalfällen, die ihren Ausgang in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs nahmen und danach zum Teil jahrzehntelang Justiz und Polizei beschäftigten.“
(Werbung, weil Produktnennung): Der Link zum Buch im Shop

Helmut Frangeberg und ich (Willem Fromm) bei einer früheren Podcastaufnahme.
Köln 1945

Für die noch verbliebenden 40.000 Menschen im Mai 1945 gab es keine „Stunde Null“. Hunger, Not, Verelendung, Verrohung und ein kalter Winter waren weiterhin Herausforderungen im Alltag Kölns wie auch anderswo.

Ausgebrannter deutscher Panther-Panzer, der beim sogenannten „Panzerduell am Dom“ beim Einmarsch der US-Amerikaner am 6. März 1945 zerstört wurde.
Filmausschnitt von Hermann Rheindorfs Filmedition. Generell kann ich alle Filme von Hermann Rheindorf empfehlen. Und ein netter Kerl ist er auch zugleich. 🙂 Link
Ludwig Sebus

Ludwig Sebus (*1925) wurde 1943 als Soldat eingezogen und an die Ostfront nach Russland geschickt. Dort geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst Ende 1949 nach Köln zurück.
Während seiner Gefangenschaft erlebte Sebus die harten Bedingungen, denen viele deutsche Soldaten in sowjetischen Lagern ausgesetzt waren. Die Gefangenen litten unter Mangelernährung, Krankheiten und schwerer körperlicher Arbeit. Trotz dieser Herausforderungen gelang es Sebus, die Zeit zu überstehen und nach seiner Rückkehr ein neues Leben in Köln aufzubauen.
Die Erfahrungen aus dieser Zeit prägten ihn tief und beeinflussten sein späteres Engagement im Kölner Karneval sowie seine musikalische Laufbahn als Krätzchensänger. Sebus‘ Geschichte steht exemplarisch für das Schicksal vieler deutscher Kriegsgefangener, die nach Jahren der Entbehrung in die Heimat zurückkehrten und sich ein neues Leben aufbauten.
Fassungslos kehrt er kurz nach seiner Rückkehr aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in eine Kneipe in der Kölner Innenstadt ein und sieht dort den ehemaligen Gauleiter Josef Grohé in bester Laune mit Freunden Bier trinken – in Freiheit. Während Sebus 7 Jahre seines Lebens in Krieg und Gefangenschaft verbracht hatte.
Josef Grohé


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Josef Grohé, geboren am 6. November 1902 in Gemünden im Hunsrück, war ein frühes Mitglied der NSDAP und bekannt für seine Rolle als Gauleiter des Gaus Köln-Aachen von 1931 bis 1945. Er wuchs als Sohn eines Kleinbauern und Gemischtwarenhändlers auf und begann früh, sich in rechten, antisemitischen Gruppierungen zu engagieren. 1922 trat er der NSDAP bei und stieg schnell in der Parteihierarchie auf. Während der Ruhrbesetzung durch Frankreich 1923 beteiligte er sich aktiv am Widerstand, etwa durch Sabotageakte und Attentate.
Als Gauleiter war Grohé zentral an der Durchsetzung der nationalsozialistischen Politik in der Region Köln-Aachen beteiligt. 1944 ernannte man ihn zusätzlich zum Reichskommissar für die besetzten Gebiete in Belgien und Nordfrankreich. Doch angesichts des Vormarschs der Alliierten blieb ihm kaum Handlungsspielraum.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Grohé zunächst im Untergrund, wurde jedoch 1946 von britischen Truppen verhaftet und an Belgien überstellt. Da er jedoch nicht vor ein Tribunal gestellt wurde, kam er 1949 nach Deutschland zurück. Dort verurteilte ihn ein deutsches Gericht zu viereinhalb Jahren Haft, die er durch Untersuchungshaft bereits verbüßt hatte. Nach seiner Haftentlassung arbeitete Grohé in der Spielwarenbranche und blieb bis zu seinem Tod in Köln-Brück im Jahr 1987 seinen früheren Überzeugungen treu.
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